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Schutz kritischer Infrastruktur: Lösungen gegen GNSS-Jamming und Spoofing

Schutz kritischer Infrastruktur: Lösungen gegen GNSS-Jamming und Spoofing

Absichtliche Störungen von GNSS-Signalen nehmen zu und werden zum Risiko für kritische Systeme. Die Lösungen von hensec ermöglichen eine zuverlässige Detektion und Ortung von Jamming und Spoofing, damit Betreiber rechtzeitig gegensteuern können.

„Position, Navigation und insbesondere hochpräzises Timing bilden das unsichtbare Fundament digitaler Kommunikation, autonomer Systeme und kritischer Infrastrukturen. Gerät dieser Taktgeber aus dem Schritt, funktionieren diese Systeme nicht mehr“, sagt Kevin Heneka, Gründer von hensec. „Mit unserer Lösung, die komplett in Europe entwickelt und gehostet wird, bieten wir eine Möglichkeit das GNSS-Signal zu überwachen und schaffen so eine Grundlage für sichere und resiliente PNT-Systeme.“

Die Schifffahrt kennt das Phänomen schon lange: Immer häufiger kommt es zu Angriffen auf Satellitennavigationssysteme, vor allem in Krisenregionen. Das kann Navigationsfehler und Kollisionen zur Folge haben, insbesondere in stark befahrenen Seegebieten, engen Hafenbecken oder bei schlechter Sicht.

Auch der Flugverkehr ist mittlerweile betroffen. Schweden hat in Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern einen Bericht veröffentlicht, laut dem rund 123.000 Flüge allein in der Zeit von Januar bis April 2025 zum Ziel von GNSS-Störungen wurden.

GNSS-Satellitennetz bietet Orientierung

Diese Zahlen sind beeindruckend und zeigen doch nur die Spitze des Eisbergs: In unserer digitalen Welt sind immer mehr Systeme von GNSS-Daten abhängig. GNSS ist dabei die Abkürzung für Global Navigation Satellite System. Das vermutlich bekannteste davon ist das US-amerikanische Global Positioning System. Seine Abkürzung GPS hat sich als Synonym für alle Satellitennavigationssysteme etabliert. Neben GPS gibt es u.a. noch GALILEO aus Europa, BeiDou aus China sowie GLONASS aus Russland.

Das GNSS besteht aus einem Netzwerk von Satelliten, die in einer Höhe von rund 20.000 Kilometern um die Erde kreisen. Jeder dieser Satelliten funkt permanent Signale zu seiner genauen Position sowie der Zeit, zu der das Signal versendet wurde. Dieser Zeitstempel wird durch eine hochgenaue Atomuhr ermittelt, die sich an Bord jedes Satelliten befindet.

Ein GNSS-Empfänger auf der Erde empfängt einfach gesagt die Signale von mehreren Satelliten gleichzeitig. Ausgestattet mit einer normalen Quarzuhr, erfasst er auch, wie lange das Signal vom Weltall bis zu ihm gebraucht hat. Da sich die Signale mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, lässt sich die Entfernung zum jeweiligen Satelliten berechnen:

Entfernung = Laufzeit x Geschwindigkeit

Für die Berechnung seiner Position auf der Erde, benötigt der GNSS-Empfänger die Signale von mindestens vier Satelliten. Dabei sind drei Satelliten ausreichend, um die Position in einem dreidimensionalen Raum zu bestimmen. Für die Korrektur der Zeitabweichung im Empfänger ist ein vierter Satellit erforderlich.

GNSS-Timing: Taktgeber in der digitalen Welt

GNSS-Systeme bieten drei Hauptfunktionen, nämlich Position, Navigation und Timing (kurz: PNT). Vor allem die Funktionen für Position und Navigation sind allgemein bekannt, weil sie mittlerweile selbstverständlich für Routenplanungen auf dem Smartphone oder anderen Navigationsgeräten genutzt werden. Wie eingangs erklärt, beeinträchtigen GNSS-Störungen die Navigation im Flug- und Schiffsverkehr und bekommen viel mediale Aufmerksamkeit.

Doch was hat es mit dem Timing auf sich? Diese Funktion ist für unsere moderne Gesellschaft entscheidend. Die gesamte digitale Kommunikation ist auf exakte Zeitsynchronisation angewiesen, damit Daten von Systemen, die sich an verschiedenen Standorten befinden, korrekt übertragen werden. Wird für diese Übertragung das Internet genutzt, so ist eine Genauigkeit von rund 2 Millisekunden zu erreichen. Durch den Einsatz eines GNSS-Empfängers auf den Geräten lässt sich die Genauigkeit auf ungefähr 2 Nanosekunden steigern.

Kommt es zu Störungen des GNSS-Signals, so sind also davon nicht nur die Navigation im Flug- oder Schiffsverkehr betroffen, sondern alle zeitkritischen Systeme. Einige Beispiele dafür wollen wir näher betrachten:

  • Mobilfunk
    Mobilfunknetze der vierten und fünften Generation (4G/5G) sind im besonderen Maße auf präzise Zeit- und Frequenzsynchronisation angewiesen. Basisstationen müssen ihre Funkzellen exakt aufeinander abstimmen, damit mobile Endgeräte nahtlos von einer Zelle in die nächste wechseln können. GNSS liefert dafür eine hochgenaue Zeitbasis und eine Frequenzreferenz. Besonders in 5G-Netzen, in denen Techniken wie Time Duplexing und Beamforming zum Einsatz kommen, sind die Anforderungen an die Synchronisation nochmals enorm gestiegen.
    Die GNSS-Zeitinformation wird in Mobilfunknetzen häufig direkt an den Basisstationen empfangen und dient dort als Referenz für alle Synchronisationsprozesse. Kommt es zu Störungen des GNSS-Systems, so verlieren einzelne Zellen ihre zeitliche Ausrichtung. Dies führt gegebenenfalls zu Interferenzen zwischen den Zellen, Verbindungsabbrüchen oder einer drastisch reduzierten Netzkapazität.

  • Energieübertragungsnetze
    Moderne Energieübertragungsnetze sind hochgradig synchronisierte Systeme, die auf eine permanente Abstimmung zwischen Erzeugung, Transport und Verbrauch angewiesen sind. GNSS-Zeitsignale spielen hier eine zentrale Rolle. Spannungen, Ströme und Phasenlagen werden in Übertragungs- und Verteilernetzen an zahlreichen Messpunkten erfasst. Diese Messungen erfolgen mithilfe sogenannter Phasor Measurement Units, die ihre Daten mit exakten Zeitstempeln versehen. Nur wenn alle Messpunkte im Netz auf wenige Mikro- oder Nanosekunden genau synchronisiert sind, lassen ich Netzschwingungen, Lastflüsse und instabile Zustände zuverlässig erkennen und bewerten.
    Das GNSS-Zeitsignal dient her als gemeinsamer Zeitreferenzpunkt für das komplette Netz, oftmals über große geografische Distanzen hinweg. Fällt die Zeitreferenz aus oder wird sie ungenau, so können Messdaten nicht mehr korrekt korreliert werden.

  • Rechenzentren
    Rechenzentren sind das Herz digitaler Infrastruktur. Unzählige Prozesse laufen parallel ab und kommunizieren miteinander, oft über unterschiedliche Server, Racks oder sogar räumlich entfernte Standorte hinweg. Die GNSS-Zeit ist die Basis für eine eindeutige Sequenzierung dieser Ereignisse. Vor allem bei hochverfügbaren Systemen oder Cloud-Architekturen ist eine einheitliche Zeitreferenz essenziell, um Datenverluste zu vermeiden. Es gibt alternative Zeitverteilmechanismen, wie NTP oder PTP, doch auch die sind auf eine Referenzzeit angewiesen, die häufig aus dem GNSS gewonnen wird.

  • Fahrzeugtechnologie
    Moderne Fahrzeuge nutzen GNSS-Daten schon lange nicht mehr ausschließlich für die Navigation. Positions- und Zeitinformationen sind für viele Assistenz- und Sicherheitssysteme unverzichtbar, um Sensordaten aus den unterschiedlichen Quellen zeitlich korrekt zusammenzuführen. Vor allem aber bei autonomen Fahrzeugen ist auch eine exakte Zeitbasis wichtig, damit die Kommunikation zwischen Fahrzeugen oder zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur zuverlässig betrieben werden kann.

  • UAVs 
    Unbemannte Luftfahrzeuge oder Drohnen nutzen GNSS-Positions- und Zeitdaten für die Navigation, Stabilisierung und Missionsplanung. Diese Informationen sind die Basis, um Flugrouten einzuhalten, Hindernisse zu umfliegen, komplexe Manöver sicher auszuführen oder im Schwarm bei Drohnenshows zu performen. Auch die Synchronisation mit Bodenstationen oder anderen UAVs erfolgt häufig mithilfe der GNSS-Zeit.

Die Liste der Technologien, die auf präzise GNSS-Daten angewiesen sind, ließe sich noch lange fortsetzen. Doch diese Beispiele verdeutlichen, dass die satellitenbasierten Zeitdaten aus der digitalen Welt nicht mehr wegzudenken sind. Deshalb sind gezielte GNSS-Störungen so gefährlich.

GNSS-Störungen als systemisches Risiko

Wie eingangs erläutert, befinden sich die Satelliten in großer Höhe über der Erdoberfläche und bewegen sich mit einer enormen Geschwindigkeit. Ihr ausgesendetes Signal ist damit vergleichsweise schwach und kann bereits durch nur geringfügig stärkere Sender, die sich direkt auf der Erde befinden, überlagert werden.

Neben diesen Voraussetzungen ist auch die rasante technische Entwicklung für die Zunahme der Störfälle verantwortlich: Die Preise für Störsender fallen zusehends, während die Geräte immer mobiler werden. Außerdem sind sie relativ einfach über das Internet zu erwerben, obwohl ihr Betrieb in Deutschland verboten ist. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von absichtlichen Störungen:

  • Jamming:
    Ein Jammer überlagert die GNSS-Signale, indem er Störsignale auf den selben Frequenzen sendet, die auch vom GNSS-System genutzt werden. Das sogenannte GPS-L1 Band hat die Frequenz 1575,42 MHz. Da die Frequenzen der GNSS-Satelliten bekannt sind, so ist auch ihre Störung technisch nicht besonders aufwändig.

  • Spoofing:
    Etwas komplexer und gleichzeitig gefährlicher ist das sogenannte Spoofing. Dabei wird ein manipuliertes GNSS-Signal ausgesendet, um das authentische Signal zu überlagern. So lassen sich falsche Positions- und Zeitangaben vortäuschen, die lange nicht als gefälscht wahrgenommen werden.

Signalüberwachung: Voraussetzung für einen sicheren Betrieb

Die technische Entwicklung der GNSS-Empfänger kann mit den massiven Ausweitungen der Störfälle nicht mithalten. Der alljährlich in Norwegen stattfindende Jammertest hat auch 2025 wieder belegt, dass die überwiegende Mehrheit der Empfänger für gezielte Störungen anfällig ist – trotz technischer Verbesserungen.

Folglich ist eine kontinuierliche Überwachung des GNSS-Signals für alle Systeme entscheidend, die von den satellitenbasierten Signalen abhängig sind.

Drohnen sollten nur dann starten, wenn die Signalqualität nachweislich stabil ist. Das betrifft sowohl Drohnenbetreiber im Werks- und Objektsschutz als auch Veranstalter von den zunehmend beliebten Drohnenshows. Dabei sollten während des Einsatzes die relevanten GNSS-Bänder überwacht und analysiert werden, um bei Abweichungen und Ausfällen die Ursache eindeutig erkennen zu können. Das ist für die Fehlerbehebung ebenso entscheidend wie für den Nachweis gegenüber Versicherungen.

Auch autonome Systeme sind ohne verlässliche GNSS-Daten nicht einsatzbereit. Bei Robotern im Werksschutz beispielsweise kann gezielt eingesetztes Spoofing eine Alarmierung hervorrufen und Sicherheitskräfte zu einem falschen Ort lotsen. Betreiber müssen deshalb wissen, ob der GNSS-Empfang ausreichend ist, oder ob Störungen auftreten können.

Für Flughäfen stellt sich die Frage nach der GNSS-Qualität auf dem gesamten Flughafengelände. Störungen durch externe Quellen können nicht nur den Flugbetrieb beeinträchtigen, sondern auch sicherheitskritische Prozesse gefährden. Mit systematischer Überwachung des GNSS-Signals lassen sich Störquellen erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten.

Kritische Infrastrukturen, wie beispielsweise mobile Kommunikationssysteme, sind auf einen exakten Empfang des Zeitsignals angewiesen. Ausfälle und Manipulationen müssen sofort erkennbar sein, um rechtzeitig gegenzusteuern und Kettenreaktionen zu stoppen.

Regulierungsbehörden haben die Verantwortung, die GNSS-Qualität im öffentlichen Raum sicherzustellen, vor allem entlang wichtiger Verkehrsachsen. Eine kontinuierliche Überwachung des Signals kann wiederkehrende Muster aufdecken, die auf eventuelle illegale Aktivitäten hindeuten können.

Für Vollzugsbehörden ist die GNSS-Überwachung ein wichtiges Werkzeug, um illegale Jammer aufzuspüren und deren Einsatz zu unterbinden. Nur wenn Störungen eindeutig detektiert und lokalisiert werden, lassen sich Verstöße effektiv vermeiden.

Nicht zuletzt ist der maritime Sektor der Bereich, der besonders von den zunehmenden GNSS-Störungen betroffen ist. In Häfen und stark frequentierten Seegebieten ist ein exaktes Signal der Navigationssatelliten entscheidend für die Sicherheit.



hensec: Jamming und Spoofing sicher erkennen

hensec entwickelt Lösungen, die GNSS-Störungen nicht nur detektieren, sondern auch analysieren und orten können – ganz gleich, ob es sich um sich einfache Interferenzen, Jamming oder aufwändiges Spoofing handelt. Damit erhalten Betreiber ein umfassendes Gesamtbild der GNSS-Verfügbarkeit am Einsatzort.

Die Lösungen verfügen über einen integrierten RF-Signal Analyser, um die Funkfrequenzen (Radio Frequency, kurz RF) zu überprüfen. Darüber lassen sich Störquellen ermitteln, die das GNSS-Singal beeinträchtigen. Parallel wird analysiert, wie viele Satelliten verfügbar sind und ob die Signalstärke für einen sicheren Empfang ausreicht.

Die hensec-Lösungen können klassifizieren, ob eine registrierte Störung auf Interferenzen, Jamming oder Spoofing zurückzuführen ist. Auch eine Lokalisierung der Störquellen ist möglich. Die hensec-Lösungen sind als Hardware- und als Softwarevariante erhältlich und lassen sich somit nahtlos an die Anforderungen der Kunden anpassen.

Hardware: GP-Probe DIN-L1 und GP-Probe TGE2

Der Sensor GP-Probe DIN-L1 ist ein kompaktes Modul für die Hutschiene. Er analysiert das L1-Band und enthält selbst einen eingebauten RF-Blocker und Jammer, um das GNSS-Signal der Antenne im Falle von erkanntem Spoofing zu unterbrechen. Dadurch werden nachgeschaltete Geräte wie Zeitserver zuverlässig vor Manipulation geschützt. Gleichzeitig wird ein digitaler oder analoger Alarm ausgegeben.

Ein breiteres Erkennungsspektrum weist der GP-Probe TGE2 Sensor auf: Er verfügt über drei Hochfrequenz-Kanäle zur erweiterten Echtzeitanalyse, um auch fortschrittliche Spoofing-Angriffe zuverlässig zu erkennen. Werden 3 dieser Sensoren auf einem Gelände positioniert, können sie sofort die Störungsquelle lokalisieren.

Weitere Hardwarelösungen gibt es als ultraportablen Stick, als Outdoor-Koffer für wechselnde Einsatzorte oder als wetterfesten Outdoor-Schrank, der für die Installation im Freien oder als Mastmontage geeignet ist. Auch individuelle Lösungen, die speziell an die Bedürfnisse der Kunden angepasst sind, sind möglich.

Für den Betrieb benötigen die Sensoren eine externe GNSS-Antenne, die im Lieferumfang enthalten ist, sowie eine Spannungsversorgung. Die Konfiguration ist über ein Webinterface einfach durchzuführen, entweder lokal oder über die Webapplikation GP-Cloud.

Die empfangenen HF-Parameter werden direkt auf dem Gerät verarbeitet, ausgewertet und bei Bedarf ebenfalls über das Netzwerk an die GP-Cloud übertragen. Die Alarmierung erfolgt in Echtzeit sowohl lokal als auch über die WebApp.

Leistungsstarke Web-Application: GP-Cloud

hensec bietet diese Lösung auch als Software an. Die GP-Cloud ist eine Webanwendung, die Detektion, Klassifizierung und Ortung von GNSS-Störungen in Echtzeit ermöglicht. Erfasst sie Störungen, so kann die GP-Cloud Alarme oder Benachrichtigungen ausgeben. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Ereignisse für nachträgliche Auswertungen zu speichern.

Grundlage für die Messungen liefern die hensec GNSS-Spoofing Sensoren, die über einen API-Key direkt in die Systeme der Kunden eingebunden werden. Alternativ oder ergänzend ist auch die Verbindung vorhandener RTK-BS (via RTCM@NTRIP) oder anderer GNSS-Empfänger (via NMEA@NTRIP) z.B. vom hensec-Partner Septentrio möglich.

Die Webanwendung aggregiert alle Daten und bereitet sie in übersichtliche Dashboards auf. Es besteht die Möglichkeit, Benutzer mit individuellen Berechtigungen anzulegen, Alarme und Grenzwerte zu konfigurieren und die Sensoren zu verwalten.

Fazit
Eine digitalisierte Gesellschaft ist im hohen Maße von zuverlässigen GNSS-Signalen abhängig. Gleichzeitig nehmen Störungen durch absichtliches Jamming oder Spoofing zu. Hensec bietet Lösungen, mit denen sich Störungen zuverlässig detektieren, klassifizieren und orten lassen, um einen reibungslosen Betrieb GNSS-abhängiger Systeme zu gewährleisten.



GNSS, Jammer, Spoofer, spoofing

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Zunehmende GNSS-Störungen gefährden die maritime Sicherheit

Zunehmende GNSS-Störungen gefährden die maritime Sicherheit

Die Sicherheit der internationalen Schifffahrt steht vor wachsenden Herausforderungen: Störungen satellitengestützter Navigations- und Zeitdienste (GNSS) nehmen weltweit zu und wirken sich zunehmend auf den sicheren Betrieb moderner Schiffe aus. Sowohl ein aktueller Fachbericht des Royal Institute of Navigation (RIN) als auch ein offener Brief mehrerer europäischer Küstenstaaten unterstreichen die Dringlichkeit des Problems und fordern entschlossenes Handeln.

Neuer RIN-Bericht analysiert Verwundbarkeiten moderner Schiffe

Das Royal Institute of Navigation hat kürzlich einen umfassenden Bericht zu den Auswirkungen von GNSS-Störungen auf die maritime Sicherheit veröffentlicht. Darin werden insbesondere die Verwundbarkeiten vernetzter Systeme an Bord moderner Schiffe untersucht. Viele sicherheitsrelevante Systeme – darunter Ausrüstung gemäß GMDSS und SOLAS – nutzen GNSS als primäre Quelle für Positions- und Zeitinformationen. Fällt diese Quelle aus oder liefert fehlerhafte Daten, kann dies erhebliche Sicherheits- und Haftungsrisiken nach sich ziehen.

Der Bericht zeigt zudem, dass auf vielen Schiffen teils unnötige Abhängigkeiten zwischen GNSS-Empfängern und elektronischen Systemen bestehen, die für ihre Kernfunktionen nicht zwingend satellitengestützte Daten benötigen. Besonders in Regionen mit bekannten GNSS-Störungen steigt dadurch das Risiko von Fehlfunktionen erheblich. Neben einer detaillierten Verwundbarkeitsanalyse enthält der Report klare Empfehlungen für kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Risikominderung, insbesondere im Hinblick auf GNSS-Jamming und -Spoofing.

Die offizielle Vorstellung des Berichts findet am 29. Januar 2026 im National Maritime Museum in London statt.

Offener Brief der Küstenstaaten: Internationale Verantwortung gefordert

Parallel zur Veröffentlichung des RIN-Berichts haben die Küstenstaaten der Ostsee und der Nordsee gemeinsam mit Island einen offenen Brief zur maritimen Sicherheit veröffentlicht. Darin wenden sie sich an die internationale maritime Gemeinschaft und machen auf die zunehmenden technischen Störungen aufmerksam, die insbesondere in europäischen Gewässern beobachtet werden.

Die Unterzeichner betonen die starke Abhängigkeit der modernen Schifffahrt von GNSS-Diensten, die nicht nur für die Navigation, sondern auch für zentrale Sicherheitsfunktionen wie das Seenot- und Sicherheitssystem GMDSS unverzichtbar sind. Besonders im Ostseeraum häufen sich nach Einschätzung der Staaten GNSS-Störungen, die sie der Russischen Föderation zuschreiben. Diese Entwicklungen gefährden aus ihrer Sicht sowohl die Sicherheit der Schifffahrt als auch deren Zuverlässigkeit.

Zusätzlich wird im offenen Brief auf die Manipulation des Automatischen Identifikationssystems (AIS) hingewiesen, das eine zentrale Rolle bei der Verkehrskoordination und Kollisionsvermeidung spielt.

Forderungen nach Resilienz und Alternativen

Sowohl der RIN-Bericht als auch der offene Brief kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: GNSS-Störungen und AIS-Manipulationen müssen international als ernstzunehmende Sicherheitsrisiken anerkannt werden. Schiffe und Besatzungen müssen in die Lage versetzt werden, auch bei Ausfällen satellitengestützter Systeme sicher zu navigieren.

Die Küstenstaaten fordern daher eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, insbesondere zur Entwicklung und Einführung alternativer, terrestrischer Navigationssysteme. Darüber hinaus wird die Einhaltung bestehender internationaler Regelwerke wie SOLAS, MARPOL und UNCLOS betont. Schiffe sollen ausschließlich unter gültiger Flagge und mit vollständigen Zertifikaten betrieben werden, um Sicherheits- und Umweltstandards zu gewährleisten.

Gemeinsames Signal an die maritime Gemeinschaft

Die zeitliche Nähe zwischen dem offenen Brief der Küstenstaaten und der Veröffentlichung des Maritime GNSS Security Reports des Royal Institute of Navigation ist kein Zufall. Beide Dokumente senden ein klares Signal: Die Abhängigkeit von GNSS stellt ein strukturelles Risiko für die maritime Sicherheit dar, das nicht länger ignoriert werden kann. Forschung, technische Resilienz und internationale Kooperation sind entscheidend, um die Sicherheit der Schifffahrt auch unter gestörten Bedingungen dauerhaft zu gewährleisten.

Links:

RIN Maritime Report:

https://rin.org.uk/page/RIN_Maritime_Report

Open Letter by the Coastal States of the Baltic Sea and the North Sea with Iceland:

https://www.bmv.de/SharedDocs/EN/Articles/K/open-letter-coastal-states-baltic-sea-north-sea-iceland.html

 

GNSS, GPS, Jammer, Ostsee, Maritim

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Neue Studie zu GNSS Störungen in der Ostsee

Neue Studie zeigt: GNSS-Störungen in der südlichen Ostsee deutlich komplexer und stärker als bisher angenommen

Eine neue Untersuchung knüpft an unseren früheren Bericht über GNSS-Interferenzen im Ostseeraum mit GPSPatron und der Gdynia Maritime University an – diesmal jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Statt eines festen Sensors an Land wurde der Interferenzdetektor GP-Probe TGE2 direkt an Bord eines Forschungsschiffes installiert. Das Schiff operierte zwischen dem 23. Juni und 14. Oktober 2025 im gesamten südlichen Ostseeraum und näherte sich regelmäßig der Seegrenze zur Region Kaliningrad.

Durch diese mobile Messplattform konnte das reale GNSS-Umfeld erfasst werden, dem Schiffe tatsächlich ausgesetzt sind – inklusive Effekten, die von Land aus nicht sichtbar sind.

Zentrale Ergebnisse

1. Wechsel zu kombinierten Spoofing- und Jamming-Angriffen

Während die frühere Küstenstudie ausschließlich Mehrkonstellations-Jamming zeigte, enthüllt die neue Schiffskampagne ein anderes Bild:

  • GPS-L1-Spoofing mit künstlichen Satellitensignalen

  • Gleichzeitiges Jamming von GLONASS, Galileo und BeiDou

Dadurch werden Empfänger gezwungen, nur die gefälschten GPS-Signale zu nutzen – ein technisch effizienter, aber hochwirksamer Eingriff in die Navigation.

2. Bislang höchste gemessene Störintensität

Ende Juni bis Juli traten die stärksten Störungen auf:

  • GNSS-Verfügbarkeit fiel auf 83,5 %,

  • über 4 Tage Spoofing wurden registriert.

Der extremste Vorfall: Fast 30 Stunden ununterbrochenes Spoofing vom 1. bis 3. Juli – ein ernstes Risiko für die Schifffahrt.

3. Mehrere Störsender wirken synchron zusammen

Die Daten zeigen klar: Die Interferenzen stammen von vier unterschiedlichen, koordiniert arbeitenden Quellen, darunter ein GPS-Spoofer, zwei Chirp-Jammer und ein breitbandiger analoger Störsender.
Unterschiedliche Spektren und Bandbreiten deuten auf räumlich getrennte Anlagen, jedoch mit zentral gesteuerter Aktivierung.

4. Deutlicher Wandel der Technik

Im Vergleich zur früheren Studie:

  • weniger präzise, dafür leistungsstärkere Chirp-Jammer,

  • Kombination aus älterer Hochleistungs-HF-Technik und neueren Spoofing-Fähigkeiten.

Die Interferenzlandschaft wird damit technisch heterogener und unberechenbarer.

5. Störungen nehmen auf See stark zu

Messungen zeigen einen klaren räumlichen Trend:

  • im Hafen von Danzig: schwach,

  • auf offener See: bis zu 15 dB stärker,

  • stärkste Werte beim Kurs Richtung Kaliningrad.

Damit sind besonders die Navigationszonen auf See von den Störungen betroffen.

Vollständigen Bericht anfordern

Der komplette Bericht mit Spektrogrammen, Signal­analysen und technischen Details steht zum Download bereit. Zum Download Einfach das E-Mail Formular ausfüllen.

Bei Rückfragen und zu weiteren Informationen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne auch per email zur Verfügung.

hensec_gpspatron-report-shipborne-observations-near-the-kaliningrad-border

Full Report of the GNSS Jamming and Spoofing Analysis in the Baltic Sea

hensec_gpspatron-report-shipborne-observations-near-the-kaliningrad-border.pdf (3.31 MB)
Download

GNSS, Galileo, Jammer, Spoofer, spoofing, jamming, Baltic Jammer, Ostsee

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GNSS Security auf See - neuer Vessel Mode

hensec bietet ab sofort GPSPATRONs neue Algorithmen zur maritimen GNSS-Störungserkennung an

Wir freuen uns, die neuen „Vessel“-Algorithmen von GPSPATRON für die Erkennung von GNSS-Störungen im maritimen Umfeld anzubieten Die speziell für Schiffe, Hafenanlagen, Küstenüberwachung und Offshore-Infrastruktur entwickelten Funktionen stehen sowohl in der GP-Cloud als auch in Onboard-Geräten wie dem GP-Probe DIN L1 zur Verfügung.

GNSS-Störungen – ob durch Jamming oder Spoofing – treten auf See immer häufiger auf. Schiffe sind diesen Risiken besonders ausgesetzt, wobei Beeinträchtigungen die Navigation, AIS-Meldungen, Hafenmanöver, Offshore-Operationen und zeitkritische Bordsysteme beeinflussen können. Die neuen Vessel-Algorithmen verbessern die Erkennungsgenauigkeit erheblich, da sie Schiffsbewegungen und maritime Signalbedingungen berücksichtigen.

Die Lösung bietet unter anderem:

  • Echtzeit-Erkennung von GNSS-Störungen

  • Zentralisierte Überwachung und Analyse über die GP-Cloud

  • Zuverlässige Erkennung an Bord, auch ohne Internetverbindung

  • Ein klareres Lagebild und gesteigerte Betriebssicherheit

hensec unterstützt Sie bei der vollständigen Integration dieser Technologien – ob für einzelne Schiffe, ganze Flotten oder Hafen- und Küstenbereiche.

Wenn Sie Interesse an der Einführung der GPSPATRON-Vessel-Algorithmen haben oder eine fachkundige Beratung zum Schutz vor GNSS-Störungen wünschen, kontaktieren Sie uns gerne. Wir beraten Sie umfassend und begleiten Ihre Umsetzung.


GNSS, GPS, Jammer, Maritim

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Warum Jammer keine Lösung sind

Warum Jamming keine Lösung ist

In diesem Artikel geht es um die Verwendung von Jammern zur Drohnenabwehr für KRITIS.

TLDR: 

Do not use Jammers!

Vorwort:

Im Rahmen unserer Lösungen zur Drohnendetektion beraten wir regelmäßig auch zu geeigneten Abwehrmaßnahmen. Wohl aufgrund einer derzeit zunehmend auftretenden „Goldgräberstimmung“ im Bereich CUAS sowie massiver Berichterstattung und Bewerbung „innovativer“ Abwehrlösungen, kommen auch Jammer hier immer wieder zur Sprache. 

Was wir dabei beobachten: Sowohl im direkten Gespräch als auch in so manchem Online-Beitrag vieler jüngst entstandener „Experten“ offenbaren sich dabei teilweise erhebliche Wissenslücken. Auf Messen und in Hochglanzbroschüren begegnen uns zudem unrealistische Leistungsversprechen, garniert mit maskulinen „SpaceGuns“, die bei Entscheidern mitunter mehr Eindruck hinterlassen, als sie sollten.

Hier möchten wir in kompakter Form einige Hintergründe aufführen, warum Jammer für diesen Einsatzzweck keine gute Lösung darstellen und gleichzeitig einige typischen Fehlannahmen klarstellen.

Scope und Abgrenzung:

In diesem Artikel wird der Einsatz von Anti-Drohnen Jammern im zivilen Umfeld betrachtet – insbesondere bei Anlagen der kritischen Infrastruktur. Es wird hier ausdrücklich nicht über den Einsatz im militärischen Kontext geschrieben.

Auch wird hier hauptsächlich auf die technischen Hintergründe eingegangen. Dass der Einsatz von Jammern rechtlich nicht zulässig ist, sollte hinlänglich bekannt sein. Hierzu sei auf die Ausführungen von Herrn Dieckert verwiesen (siehe Quellen am Ende).

Begriffserklärung – Jamming und Spoofing:

Im Radio-Kontext bedeutet „Jamming“ grundsätzlich das absichtliche Stören von Signalen.
Ein Jammer ist ein Störsender. Er sendet ein so starkes Funk-Störsignal, dass die eigentlichen Nutzsignale vom Empfänger nicht mehr sinnvoll ausgewertet werden können.

Im Gegensatz dazu bezeichnet „Spoofing“ das Fälschen bzw. Aussenden falscher Signale.

Jamming ist nicht gleich Jamming:

Der Einsatz von Störsendern zur Drohnenabwehr wird mit unterschiedlichen Ansätzen verfolgt:

  • Das Jammen des Fernbedienungssignals:
    Dabei wird auf den Frequenzen der Fernbedienungen (typischerweise ISM-Band, 2,4 GHz oder 5,8 GHz) ein starkes Störsignal ausgesendet. Die Drohne empfängt statt der Signale der eigenen Fernbedienung nur das Störsignal und verliert dadurch die Verbindung zur Fernbedienung.

  • Das Jammen der GNSS-Frequenzbänder:
    Es wird auf den Frequenzen der Satellitennavigationsbänder (z. B. GPS) ein Störsignal ausgesendet. Dadurch soll die Drohne die schwachen Signale der Satelliten nicht mehr empfangen können und die eigene Position verlieren.

Leider werden diese beiden Arten des Jammings selbst von „Fachgremien“ gerne in einen Topf geworfen, obwohl sie verschiedene Ansätze darstellen.

Wie reagieren Drohnen auf Jamming?

Kurzum: unvorhersehbar.
Praktisch reagiert jedes Drohnenmodel anders.

Wenn nur das Signal der Fernbedienung gejammt wird, aber nicht das GNSS-Signal, versuchen einige Drohnen, zum Homepoint zurückzukehren („Return to Home“).
Werden hingegen sowohl das Signal der Fernbedienung als auch das GNSS-Signal gejammt, wissen viele Consumer-Drohnen nicht, wo sie sich befinden. Einige fliegen unkontrolliert schnell davon, andere versuchen zu hoovern, bis der Akku leer ist, wieder andere driften langsam ab oder stürzen ab und landen irgendwo.

Techniken des Spoofings:

Analog zum Jamming gibt es verschiedene Spoofing-Methoden:

  • Fälschen von GNSS-Signalen
  • Fälschen von Fernbedienungssignalen

In der Praxis geht Spoofing immer Hand in Hand mit Jamming.

Beim GNSS-Spoofing wird versucht, der Drohne durch das Aussenden eigener GNSS-Signale eine falsche Position vorzugaukeln. Wenn die Drohne beispielsweise denkt, sie sei 50 m zu weit links, wird sie versuchen, dies auszugleichen, indem sie 50 m nach rechts fliegt.

Beim Fälschen der Fernbedienungssignale wird beispielsweise versucht, der Drohne über Funk einen neuen Homepoint mitzuteilen und danach die Fernbedienungsfrequenz zu stören (jammen). Die Drohne sollte dann „Return to Home“ auslösen und am neu definierten Punkt landen.
In der Praxis funktioniert das jedoch nur in weniger als 10 % der Fälle.

Die Reaktion der Drohnen auf Jamming und Spoofing stellt demnach für sämtliche zivile Anwendungen ein unkalkulierbares Risiko dar. Zum einen ist die Erfolgsquote – außerhalb von Laborbedingnungen – sehr gering, zum anderen ist selbst bei einem erfolgreichen Einsatz die Reaktion der Drohne selbst unvorhersehbar – was einen Einsatz insbesondere bei kritischen Infrastrukturen ausschließt.

Wie reagiert die Peripherie auf Jamming?

Kurzum: Ziemlich furchtbar.

Die Störsignale der Jammer beeinflussen viele Funksysteme in der Umgebung.
Jammer-Störsignale treffen nicht nur die Drohne – sie beeinflussen zahlreiche Funksysteme in der Umgebung. Die meisten Drohnensteuerungen (und damit auch viele Anti-Drohnen-Jammer) funken im sogenannten ISM-Band. Das umfasst weit mehr als nur klassisches WLAN.

ISM steht für „Industrial, Scientific, Medical“ und bezeichnet lizenzfreie Funkbänder wie 433 MHz, 868 MHz, 2,4 GHz und 5,8 GHz. Werden diese Frequenzen gestört, trifft es alle Anwendungen darin – im Zweifel auch kritische Dienste.

In der Praxis heißt das u. a.:

    • Datenverbindungen reißen ab, Zählerstände werden verfälscht.

    • Garagentore öffnen, Heizungsregler spinnen.

    • Kamerasysteme rebooten, Smart-Building-Steuerungen drehen frei.

    • …und vieles mehr.

Des Weiteren haben die Störsender aufgrund ihrer Leistung und der Frequenzbereiche (sowie des Preisdrucks der Herstellerländer) oftmals kaum wirksame Bandfilter. Dadurch breiten sich die Störungen messbar auf viele weitere Frequenzen aus und beeinflussen somit andere kritische Funkdienste massiv. 

Nicht zuletzt hat Jamming möglicherweise auch Auswirkungen auf Drohnen des Werkschutzes. Es kursieren Berichte, in denen ein Jammer gegen eine einzelne unbekannte Drohne im Rahmen einer Drohnenshow eingesetzt wurde – mit der Folge, dass ein regelrechter Drohnenregen ausgelöst wurde.

Werden statt der Fernsteuer-Signale die GNSS-Signale (ca. 1,2–1,6 GHz) gejammt, sind die Auswirkungen nicht weniger kritisch. Abgesehen vom Satellitennavigationsdienst befinden sich in diesen Bereichen viele andere Kommunikations- und Navigationsfunkdienste, die ebenfalls gestört werden.

Die Störung der GNSS-Signale ist international in vielen Bereichen zu einer echten Plage geworden und führt täglich zu kritischen Situationen, vor allem im Luftraum und im maritimen Umfeld. (Dieser Themenkomplex wird an anderer Stelle von uns ausführlich behandelt und aktiv weiter beobachtet.)

Fazit: 

Im zivilen Umfeld haben Jammer keine positiven Eigenschaften. Für kritische Infrastrukturen sind sie in der Regel keine geeignete Abwehrmaßnahme. Und selbst ein behördlicher Einsatz – insbesondere im urbanen Raum – ist mit erheblichen Risiken verbunden.

Kurz zusammengefasst:

    • Geringe Erfolgsquote – stark abhängig von Drohnentyp, Entfernung, Umgebung etc. 
    • Unvorhersehbare Drohnenreaktion – erhöht das Absturz- und Haftungsrisiko untragbar. 
    • Rechtlich problematisch – der Einsatz von Störsendern ist im zivilen Bereich verboten. 
    • Technischer Trend dagegen – immer mehr jamming-resiliente Drohnen; Jamming ist keine Zukunftstechnologie. 
Am wichtigsten: Zu viel elektromagnetischer Kollateralschaden.

Weitere Fragen:

Kann man FPV-Drohnen Jammen?

Bei sogenannten First-Person-View-Drohnen wird das Livebild per Funk von der Drohne zum Operator gesendet. Hier ließe sich mit den oben genannten Methoden zwar versuchen, das Signal der Fernbedienung zu stören, das Video-Funksignal vom Boden aus zu stören macht jedoch wenig Sinn. Da das Videosignal von der Drohne ausgesendet wird, müsste die Jammerantenne nicht auf die Drohne, sondern auf den Standort des Empfängers ausgerichtet sein. (Letzteres wird in anderem Kontext bereits bei Drohnenbasierten Jammern aus der Luft praktiziert.)

Welche Drohnen kann man NICHT Jammen?

Stand heute (Herbst 2025) sind glücklicherweise noch über 90 % der Drohnensichtungen in Deutschland auf Consumerdrohnen zurückzuführen, die wiederum zum größten Teil aus Unwissenheit gestartet werden.
Die Vergangenheit lehrt uns mit zunehmender Geschwindigkeit, wie militärische Technologien in zivilen Anwendungen eingesetzt werden und umgekehrt. Im Bereich der zuverlässigen Navigation gibt es derzeit (buchstäblich) an allen Fronten Bestrebungen, Systeme unempfindlich gegen „EW“ (Electronic Warfare) zu machen.
Komponenten für glasfasergesteuerte Drohnen lassen sich nicht nur billig im Internet bestellen. Auch im professionellen Bereich gibt es resiliente GNSS-Antennen und -Receiver-Technologien, komplett autarke Navigationssysteme sowie alternative Telemetriekanäle (LTE etc.), die immer gefragter werden. Viele dieser Systeme sind heute schon komplett resistent gegen Jamming.

Wann sind Jammer Sinnvoll?

Wir entwickeln und vertreiben erfolgreich Jammer für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche – von ganz klein bis ganz groß. Insbesondere für Sicherheitstests sowie zur Entwicklung und Prüfung der Resilienz von Systemen sind Jammer ein wichtiges Mittel. (Siehe Links in den Quellen.)

Mit unserem komplett programmierbaren Jammer können beispielsweise komplexe Störsituationen simuliert werden. Reaktive Systeme dienen der gezielten Beeinflussung von Kommunikationsverbindungen. Andere Systeme werden z.B. im Kontext spezieller Terrorgefahren eingesetzt.

Was sollte man sonst machen?

Vor der Abwehr kommt die Detektion.
Und vor der Detektion kommt die Prävention.

Präventive Maßnahmen zur Minimierung der Einflussmöglichkeiten von Drohnen müssen Teil des Sicherheitskonzepts jeder Anlage sein. Zu den zu überdenkenden Punkten gehören unter anderem überdachte Lagerflächen, unbeschriftete Gebäudeteile, Vorhänge und Verrauschungssysteme in Konferenzräumen, die Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitern, Handlungsanweisungen und Notfallpläne und vieles mehr.

Zur Detektion gehört, zu wissen, was im Luftraum über der Anlage los ist. Durch automatische Detektionssysteme wie www.luftraumueberwachung.com wird nicht nur die aktuelle Luftlage überwacht, sondern es werden auch Daten aufgezeichnet, um im Falle von Drohnensichtungen belastbare Informationen zur Verfügung zu haben.

Gerne stehen wir Ihnen für all diese Themen zur Seite.

Weitere Informationen

Das Thema Jamming und Spoofing ist äußerst vielseitig und auch aus technischer Sicht sehr interessant. Wenn Sie weitere Informationen oder eine Beratung wünschen, kontaktieren Sie uns gerne.

Links und Quellen:

Bandplan Bundesnetzagentur:
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Frequenzen/Grundlagen/Frequenzplan/start.html

BSI Ratgeber Drohnen
https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2025/250227_Drohnen_Cyberbedrohung.html

hensec Jammer
https://www.hensec.com/de/produkte/gps/programmierbarer-jammer

Luftraumueberwachung
www.Luftraumueberwachung.com

Dr. Ulrich Diekert: Drohnen – Betrieb, Recht und Technik
https://shop.reguvis.de/buch/drohnen-betrieb-recht-technik/

Jammertest
https://jammertest.no/

 

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